MusikMartin Stadtfeld
Die Münchner lieben ihren Vorzeigepianisten - natürlich nicht unbegründet. Unter den Klängen von Johann Sebastian Bachs Wohltemperierten Klavier bekommt ein zweiter Advent im Prinzregententheater eine ganz besondere Farbe. Martin Stadtfeld, der, wie es sich in seiner Zunft gehört, schon früh erste Auftritte absolvierte und kurze Zeit darauf an verschiedenen Wettbewerben reüssierte, verzaubert mit seiner Interpretation. Man möchte fast sagen, er lässt die Stücke schweben. Das berühmte Eröffnungs-C-Dur-Präludium liegt sanft in Daunenfedern eingehüllt. Gerade mit so minimalem Anschlag, dass es dem Klavier einen Ton entlockt, gleitet er durch die Tonfolgen. Mit äußerster Präzision gelingt es ihm, die schnellen Passagen zu verkürzen, um die Betonung auf die gefühlvollen zu legen. Scheinbar mühelos beherrscht er die technisch hoch anspruchsvollen vielstimmigen Fugen. Lautstärke und Intonation variiert er gekonnt und hebt damit manchmal vor oder überspringt. Es ist “sein” Bach - das spürt man aus jeder Note. Wer nach gut zwei Stunden noch nicht überzeugt war, der wurde mit dem schwindelerregenden Tempo der Prokovjev-Toccata als Zugabe in Staunen versetzt. Durch und durch überzeugend und so wird es spannend, die Entwicklung des mehrfachen Echo-Preisträgers zu beobachten.
