Central Park
15. June 2009Er ist Gegenstand zahlreicher Legenden, Tatort zahlreicher Verbrechen und zugleich Zufluchtsort zahlreicher New Yorker: der Central Park, grüner Korridor im Herzen Manhattans. Er wurde vor 150 Jahren eröffnet, nachdem sich Frederick Law Olmsted und Calvert Vaux nicht wenig Gedanken gemacht haben, wie man das ehemalige Sumpfgebiet in ein Erholungsgebiet verwandeln könnte. Bei so vielen Fehlentscheidungen zur Bebauung der Stadtfläche, muss man die Entscheidung der New Yorker Bürger und Bürgermeister deutlich honorieren. Immerhin haben sie kostbare 5% ihres Platzes hergegeben, um von der 59th bis zur 110th ein 3,4 km² großes Areal zu gewährleisten. Nach Vorbild der europäischen Gartenarchitektur wurden über 500.000 Bäume und Sträucher gepflanzt; es entstanden künstliche Seen, Sport- und Spielplätze, Restaurants, Fußwege, Statuen und kleinere Monumente. Heutzutage ist das pittoreske Idyll nicht mehr wegzudenken, auch wenn - oder gerade weil - die umliegenden Gebäude immer höher hinauswachsen. Gerade im Sommer ist es sehr angenehm, wenn man dem aufgeheizten Beton und Stahl der Avenues, dem dauerhaften Verkehrslärm und dem ungeheuren Takt, den die Stadt vorgibt, ein wenig entfliehen kann, um die Gedanken bei einem Buch und Sonnenstrahlen schweifen zu lassen.
Praktischerweise flankiert die 5th Avenue die gesamte Ostseite des Parks, so dass der Ausgang bei mir durchaus nicht selten eines der angrenzenden Museen ist. So gehe ich sehr gern am Sonntag in den Nachmittagsstunden ins Metropolitain Museum, um Teile der unglaublichen Sammlung auf mich wirken zu lassen. Zweifelsfrei werde ich diesem Museum demnächst einen eigenen Artikel widmen. Meine Heimat-Subway verkehrt auf den Linien 1, 2 und 3, so dass ich nach dem Museum immer den Park durchqueren muss, was ich gern über Umwege in Kauf nehme. Es mag an meinem nicht übermäßig stark ausgeprägten Orientierungssinn liegen, doch trägt sicher auch die schiere Größe der “grünen Lunge” des Big Apples dazu bei, dass ich jedes Mal andere Sehenswürdigkeiten passiere, wenn ich diesen Spaziergang antrete. Mir soll es recht sein, schließlich lasse ich mich gern von dem Gefühl tragen, das mich umgibt, wenn ich das Geschehen beobachte.
Das schließt so manches Softball-, Baseball- oder Lacrosse Match ein. Es soll jedoch nicht der Eindruck entstehen, ich würde mich zu genau damit auskennen. Einige Spielzüge haben sich mir dafür inzwischen erschlossen und so macht es mittlerweile Spaß, die unterschiedlichen gegeneinander antretenden Teams zu beobachten, die meiner Meinung nach auf gar keinem so amateurhaften Niveau spielen. Die meisten Mannschaften haben professionelle Trikots, entsprechende Ausrüstung und sogar schon eine eigene Fangemeinde, die einen guten Schlag entsprechend honorieren. Ich denke an amerikanische Hollywood-Filme. Auch macht es Spaß, die vielen Familien zu beobachten, die das Wochenende nutzen, um sich auf die Wiese zu legen oder Boot zu fahren. Nicht selten sieht man Väter, die ihren kleinen Söhnen beibringen, wie man einen Baseballschläger professionell zu schwingen hat. Ich denke wieder an amerikanische Hollywood-Filme. Unnötig zu erwähnen, woran ich denke, wenn ich die ausgezehrten Jogger sehe, die mit ihren iPods und Innenohrkopfhörern ausgestattet ihre Runden drehen oder ein paar Meter weiter die Generation “Super Size Me”, die Rast am Hotdog-Stand eingelegt hat.
Ist der Central Park also typisch amerikanisch? Zumindest gelingt es ihm, alle New Yorker zu vereinen. Vom Bettler bis zum Businessman, von schwarz bis weiß, von Vitaminpräparat bis Big Mac. Vielleicht erklärt das auch die vielen Liebeserklärungen seiner Besucher oder die dutzenden liebkosenden New York Times Artikel oder die liebevoll-akribischen Grünanlagenpfleger.
Ich kann mich dem Eindruck nicht entziehen, es läge ein schützender Glasdeckel auf dem grünen Schmelztiegel.
