New York - Aus dem Archiv
22. March 2010“Aufräumen” hat eine nicht zu leugnende negative Konnotation. Ein Blick ins Archiv (Sommer 2009) hat jedoch auch positive Aspekte. Einige dieser finden sich in der Erweiterung des Albums “New York“.
“Aufräumen” hat eine nicht zu leugnende negative Konnotation. Ein Blick ins Archiv (Sommer 2009) hat jedoch auch positive Aspekte. Einige dieser finden sich in der Erweiterung des Albums “New York“.
Auf jeder noch so zweitklassigen Klassikkollektion darf eine Einspielung nicht fehlen: Die “Méditation” aus “Thaïs” von Jules Massenet; Inbegriff dessen, das man gemeinhin als Schnulze bezeichnen könnte, wenngleich diesem Stück eine gewisse Schönheit wohl nicht abgesprochen werden kann. Massenet gilt als bedeutendster Opernkomponist des ausgehenden 19. Jahrhunderts, was wohl auch der Tatsache geschuldet ist, dass es dort keine zu große Konkurrenz mehr gab. In einer Kneipe in Wetzlar kam ihm durch die Berührung mit der Goethe-Vorlage die Idee, seinen “Werther” zu vertonen. An der Opéra comique in Paris verbrannte man seinerzeit die Noten spontan. Die Inszenierung von Jürgen Rose versprach also viel, zumal sie ganz dem historischen Vorbild folgend, den Rezipienten erneut dazu einlud, Selbstmord zu begehen. Eine traurige Einfallslosigkeit, die auch von französischen Poemen und Wortfetzen, die an sämtliche Flächen gepinselt waren, nicht übertüncht werden konnte. Mittelpunkt und Höhepunkt dieses Versagens ist ein überdimensionierter Stein, auf dem Werther meist zu sitzen gedenkt. Sollte eine Verbindung aus der Traurigkeit der Geschichte (immerhin erschießt sich Werther, da seine geliebte Charlotte einen anderen heiratet) und der Traurigkeit des Bühnenbildes bezweckt worden sein, dann ist dieser Einfall wiederum genial. Wenigstens konnten Susan Graham und Marcus Haddock, die die Titelrollen sangen, durch famose Leistungen überzeugen. Besonders Werther erntete verdienten Beifall für bewegend vorgetragene Arien, aus denen eine nicht zu überhörende Affinität für italienische Rollen sprach. Das Format “Bayerische Staatsoper” bleibt jedoch für mich einmal mehr untererfüllt.
Münchnener U-Bahnen sind ziemlich seltsam. Egal, welche man betritt: sie sind sauber, haben unzerkratzte Fensterscheiben und die Passagiere rücken und rutschen freundlich auf, um Platz freizumachen. Für einen Berliner ist das entweder eine Horrorvision oder ein Science-Fiction. Für bösartigen Zynismus hält er es, wenn ihn die Menschen auf der linken Seite der Rolltreppe zum Nach-Rechts-Schritt auffordern. In München ist das selbstverständlich. Und wenn es ihm alles zu bunt wird, ist dafür gesorgt, dass keine Hilfe-Rufe abgesetzt werden können. Mobilfunknetz gibt es im Untergrund nicht. Gute Fahrt!